Evangelische Pfarrkirche St. Nikolai, Stralsund

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Baugeschichte

Image7Bereits um 1240 muss es eine Nikolaikirche gegeben haben; über ihre Gestalt liegen keine verwertbaren Informationen vor. Die Errichtung des heutigen Chores setzte um 1270 ein, die Vollendung der Ostteile erfolgte wohl Anfang des 14. Jh. Das Langhaus wurde unmittelbar danach und wahrscheinlich von Westen begonnen. Aufgrund der zahlreichen, zwischen 1330 und 1360/70 ausgeführten Wandmalereien und der in diesem Zeitraum erwähnten Seitenkapellen des Langhauses ist ein Abschluss der Arbeiten Mitte des 14. Jh. anzunehmen; möglicherweise unter Mitwirkung eines 1353 genannten Baumeisters Heinrich von Barth. Die südlichen Chorkapellen wurden wohl noch vor 1447 angefügt. Die Errichtung des Westbaus begann um 1300 zunächst als Einturm, er wurde seit etwa 1314-18 als Doppelturmfront weitergeführt. Zumindest einer der Türme wurde bis 1366 vollendet (Zerstörung eines Turmhelmes durch Sturm). Ein Brand im Jahre 1667 zerstörte die mittelalterlichen Turmhelme. Der Nordturm wurde mit einem Notdach geschlossen, der Südturm erhielt den heutigen barocken Helm. Mitte des 19. Jahrhunderts und 1891—1910 erfolgten umfassende Restaurierungen des Inneren (1890-94 Malerei im Chor freigelegt, 1909 im Langhaus und in den Turmhallen, zuletzt 1978-91)

 

Baugestalt

St. Nikolai wurde, wie St. Marien in Lübeck, als dreischiffige querschifflose Basilika mit offenem Strebewerk errichtet. Das Langhaus besitzt sechs Joche, der Umgangschor zwei Joche mit 5/8-Schluss. Die lichte Weite des Mittelschiffs beträgt 12,50 m, die Höhe 29 m. Die Kirche ist kreuzrippengewölbt.

Die Doppelturmfassade ist 42 m breit, der Südturm besitzt heute eine Höhe von etwa 103 m. Die Gesamtlänge der Kirche beträgt 85 m.

Ausstattung

Image8St. Nikolai besitzt eine außergewöhnlich umfangreiche Ausstattung mit hervorragenden Einzelstücken, darunter sehr viele mittelalterliche. Stellvertretend seien genannt:

  • Anna Selbdritt, Großplastik (Stuck / Thron aus Eichenholz), um 1270
  • Chorschranken, Anfang des 15. Jahrhunderts
  • Kreuztragender Christus, Holzskulptur, 1. Viertel 15. Jahrhundert
  • Altar der Riemer und Beutler, 1. Hälfte 15. Jahrhundert
  • Altar der Familie Junge, 2. Viertel 15. Jahrhundert, mit der „Junge-Madonna“
  • Christus, die Wundmale zeigend, Holzskulptur, Mitte 15. Jahrhundert
  • Relief aus dem Gestühl der Nowgorodfahrer, 2. Hälfte 15. Jahrhundert
  • Hochaltar, um 1470, Flügelretabel aus Eiche mit Reliefs im Schrein, Innenflügeln und Predella sowie Tafelgemälden auf den Außenseiten und Außenflügeln
  • Altar der Schneider, Ende 15. Jahrhundert
  • Altar der Bergenfahrer, um 1500
  • Sängerempore, um 1500
  • Empore von 1505
  • Bürgermeister-Altar, zwischen 1500 und 1516
  • Krämergestühl, 1574
  • Kanzel von 1611
  • Ratsgestühl, 1652
  • Langhausaltar, um 1700, nach Entwurf von Andreas Schlüter, Berlin, Ausführung durch Th. Phalert, Stralsund
  • Taufgehäuse, um 1720, Elias Kessler, Stralsund
  • Aarhusfahrergestühl, um 1720
  • Goldschmiedegestühl, um 1730
  • Orgel, 1841, von Carl August Buchholz, Berlin
  • Zahllose Kapellenschauwände, Epitaphien, Leuchter, Wandarme, Grabplatten

Restaurierungsarbeiten

Die Außenflächen der Kirche sind großteils bereits in den 1980-er Jahren instandgesetzt worden. Die Restaurierung des Innenraums ist im Langhaus und dem Chorumgang Anfang der 1990-er Jahre weitgehend erfolgt. Erheblicher Sanierungsbedarf besteht bei der Sicherung und Restaurierung der Wandmalereien in den Seitenschiffen des Langhauses und des Großteils der Ausstattung. Für 2006 ist die Sanierung der Verglasung des Chorumgangs geplant. Die jüngsten Restaurierungsarbeiten an der Ausstattungen betrafen bislang u.a.:

  • Sicherung, Restaurierung und Ergänzung am Hochaltar gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und den Förderverein St. Nikolai
  • Konservierungsarbeiten an den übrigen mittelalterlichen Schnitzaltären und der Anna Selbdritt
  • Restaurierung des Kramergestühls
  • Restaurierung des „Schlüter-Altars“ (Fertigstellung geplant 2007), gefördert durch die Rudolf August Oetker Stiftung für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Denkmalpflege
  • Restaurierung der Buchholz-Orgel mit umfangreichen Ergänzungsarbeiten am Prospekt und am Orgelwerk, gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und den Förderverein St. Nikolai

Besonderheiten

Ungewöhnlich ist die Ausmalung der Kirche, die neben der Architekturfassung der Gewölberippen Fabelwesen in den Arkadenzwickeln und gemalte Altarretabel an den Freipfeilern des Langhauses beinhaltet. – Die bis zum 2. Weltkrieg vollständige Umbauung des Nikolaikirchhofs ist noch in Resten erlebbar.

Nutzung

St. Nikolai ist Gottesdienstraum der Evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai. Der Besuch der Kirche für Touristen wird durch die besonders in den Sommermonaten ausgedehnten Öffnungszeiten ermöglicht. Regelmäßig finden Konzerte statt, sowie immer wieder auch Ausstellungen.