Basler Münster

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Baugeschichte

Der Münsterhügel war bereits in spätkeltischer Zeit (1.Jh. v. Chr.) besiedelt. Zwischen 20/40 v. Chr. und gegen Ende des 4. Jh. n. Chr. errichteten die Römer auf dem strategisch wichtigen Münsterhügel Kastelle als militärische Stützpunkte. Nachdem die Legionen die Stadt verlassen hatten, richteten sich die aus der Gegend von Kaiseraugst (Augusta Raurica) kommenden Bischöfe auf dem Münsterhügel ein. Zu welchem Zeitpunkt sich das Domkapitel dort niederliess und die erste Kirche gebaut wurde, ist nicht überliefert. Sicher ist jedoch, dass es spätestens im 8. Jh. vollzogen war. Mit Bischof Haito (um 805-823), dem Abt von Reichenau, beginnt die Überlieferung der Baugeschichte des Basler Münsters. Schriftliche Quellen belegen, dass Abt Haito die Kirche von Grund auf neu bauen liess. Die Haito-Kirche war wohl ein Saalbau mit Doppelturmfassade im Westen und eingezogener, halbrunder Apsis im Osten (später mit Aussenkrypta). Eine nächste grössere Bauphase erfolgte unter Kaiser Heinrich II und seiner Frau Kunigunde, zur Zeit des Bischofs Adalbero II (um 999-1025). 1019 wurde das sog. „Heinrichsmünster“ geweiht. Dieser Bau wurde vorwiegend auf den Fundamenten des Vorgängerbaus errichtet, jedoch gegen Osten hin erweitert.

Im letzten Drittel des 12. und zu Beginn des folgenden Jh. entstand über dem Grundriss des Vorgängerbaus wiederum ein dreischiffiger, um ein Querhaus erweiterter Kirchenbau.

Nach dem verheerenden Erdbeben von 1356, das für den Einsturz der vier Ecktürme, des möglichen Vierungsturms, des Chors und des Mittelschiffgewölbes verantwortlich war, wurde unter der Leitung von Johannes von Gmünd (Parler) ein Wiederaufbau der Kirche in Angriff genommen. Die Neuweihe erfolgte 1363.

1429 wurde mit dem Umbau des grossen Kreuzgangs begonnen, zwischen 1467-87 wurde der kleine Kreuzgang erbaut. Im 15. Jh. wurde an den Westtürmen weitergearbeitet, der Georgsturm war 1428/29 vollendet, der Abschluss des Martinsturms erfolgte 1500.

Baugestalt

basel_html_19d61285Das Basler Münster präsentiert sich heute als fünfschiffige Basilika mit Doppelturmfassade im Westen und einem erhöhten, polygonalen Chor mit Chorumgang im Osten. Bei den äusseren Seitenschiffen handelt es sich ursprünglich um Grabkapellen, die (ab dem 13. Jh.) zu selbständigen Seitenschiffen verbunden wurden.

Der Innenraum mit dreigeschossigen Mittelwänden (Arkadenzone, Empore, Obergaden) gilt als ausgereifte Schöpfung der spätromanischen Architektur. Die Gewölbe hingegen sind gotisch (nach dem Erdbeben von 1356 neu errichtet). Die Länge des Mittelschiffs (bis zur Chorwand) misst 66,22 m, die Höhe beträgt zwischen 19.90m bis 20.40m, die Breite des Mittelschiffs 12.10m.

Die (nahezu) quadratische Vierung im Schnittpunkt zwischen Langhaus und Querhaus ist durch eindrückliche Bündelpfeiler hervorgehoben. Auf Vierung und Querhaus folgt nochmals ein halbes Gewölbejoch, das von zwei quadratischen Seitenjochen flankiert wird. Abgeschlossen wird die Ostseite durch einen fünfseitigen, erhöhten Umgangschor. Unter der Vierung befindet sich die Krypta, die über je eine Treppe beidseitig von den Querschiffarmen aus betreten werden kann. Vor der Vierung stand ein Lettner (1381), der Mitte des 19. Jh. ans Westende des Mittelschiffs versetzt wurde und seither als Orgelempore dient.

Als einzige ehemalige Bischofskirche der Schweiz besitzt das Münster Türme, die noch im Mittelalter vollendet wurden. Der Nordturm (Georgsturm) ist 67,3m, der Südturm (Martinsturm) 65,5m hoch.

Ausstattung

basel_html_539730febasel_html_m71b2b0dabasel_html_d2add04Von der mittelalterlichen Ausstattung des Münsters blieb infolge des Bildersturms von 1529 nur ein Bruchteil erhalten. Einige ausgewählte Beispiele:

  • Die Vincentiustafel, um 1100; vierteiliges Relief mit der Darstellung der Legende des Hlg. Vincentius von Valencia
  • Die Aposteltafel, um 1100, Relief mit der Darstellung von sechs Aposteln (vermutlich existierte eine weitere Tafel mit der Darstellung der übrigen sechs Jünger)
  • Die Baumeistertafel, um 1200; Relief, das zu den seltenen, aus der Romanik überlieferten Beispielen für die Abbildung eines Werkmeisters zählt.
  • Grabmal der Königin Anna von Habsburg und ihres Sohnes Karl, nach 1281
  • Chorgestühl: Weitgehend original erhaltenes, reich geschnitztes Chorgestühl aus der Zeit um 1375
  • Kanzel mit reichem Masswerkschmuck aus der Zeit um 1486, Münsterbaumeister Johannes von Nussdorf zugeschrieben.
  • Erasmusepitaph, 1536; Erasmus, 1469 in Gouda geboren, starb 1532 in Basel und wurde im Münster begraben
  • Münsterschatz: Ein Grossteil der bedeutenden Sammlung ist erhalten und befindet sich heute im Historischen Museum, ausser der berühmten goldenen Altartafel, die im Musée de Cluny/Musée National du Moyen-Age in Paris augestellt ist.

Restaurierungsarbeiten

basel_html_5838902aIm 16.-18. Jh. vor allem kleinere Restaurierungsarbeiten. Zwei grosse Restaurierungen fanden im 19. Jh. statt, jene im Innenraum (1852-1857) und jene an der Aussenfassade (1880-1890), welche noch heute das Aussehen des Baus bestimmen. Eine wesentliche Veränderung erfuhr der Innenraum, indem der Lettner abgebrochen und im Westen als Orgelempore wieder aufgebaut wurde (1852-57). Eine weitere Innenrenovation (1975) machte einige Eingriffe aus dem 19. Jh. wieder rückgängig, so wurde das Bodenniveau im Lang- und Querhaus wieder abgesenkt, in der Vierung hingegen erhöht.

Mit der Neugründung der Münsterbauhütte 1985 setzte eine systematische Restaurierung des Münsters ein.

Besonderheiten

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  • Galluspforte: Reich geschmücktes Figurenportal an der Nordseite, um 1180. Ältestes mit grossen Figuren geschmücktes Portal im deutschsprachigen Raum. Bildprogramm: Jüngstes Gericht. Christus als Weltenrichter mit Petrus und Paulus sowie dem Stifterpaar, kluge und törichte Jungfrauen. Links und rechts der Bronzetür (von 1892) stehen die vier Evangelisten, daneben Werke der christlichen Barmherzigkeit
  • Glücksrad: Radfenster, ursprünglich mit Speichen aus Eichenholz (um 1225), heute aus Sandstein, mit zehn konzentrisch um die Felge angeordneten, fallenden und steigenden Sandsteinfiguren. Sämtliche Original-Figuren aus Sandstein sowie alle originalen Holzelemente befinden sich im Museum Kleines Klingental.

Nutzung

basel_html_m740e4266Infolge der Reformation ging das Münster an die evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt über; es wird auch heute noch rege für Gottesdienste kirchliche Feiern und Konzerte genutzt. Seit der Trennung von Kirche und Staat 1911 ist die evangelisch-reformierte Kirche die alleinige Besitzerin des Gebäudes, wobei sich der Kanton Basel-Stadt zu drei Vierteln an den Kosten zum Unterhalt des Aussenbaus beteiligt.